Berufsbild Sinnes-Masseurin

Kann man die Arbeit als MasseurIn für Sinnliche Massagen wirklich als Beruf bezeichnen? Was unterscheidet die sinnlichen Massagen von klassischen oder anderen Formen ganzheitlicher Massage? Welche Fähigkeiten sollte eine Sinnes-MasseurIn mitbringen bzw. sich unbedingt aneignen? Unter „Beruf“ versteht man – je nach Definition – allgemein eine Tätigkeit, die dazu dient, den Lebensunterhalt zu sichern, egal ob vollständig oder teilweise. Laut Wikipedia ist der Beruf „eine institutionalisierte Tätigkeit, die ein Mensch für finanzielle oder herkömmliche Gegenleistungen oder im Dienste Dritter regelmäßig erbringt, bzw. für die er ausgebildet, erzogen oder berufen ist.“

Was beinhaltet dieser Beruf und warum schreiben wir ihn ohne Anführungszeichen?

Im Laufe der über 14-jährigen Existenz von Sinnesart konnten wir dank unseres großen Teams und individueller Ausbildungen unzählige verschiedene Massagearten kennenlernen und Vergleiche anstellen. Wir sammelten praktische Erfahrungen und bekamen Feedback von unseren Gästen. Wir stellen immer wieder fest: Eine wirklich gute sinnliche Massage erfordert weitaus mehr als nur gründliche Massagekenntnisse.

Indikation, Therapieplan, Absicht

Unsere Gäste betrachten wir nicht als Patienten und wir erstellen in der Regel keinen Therapieplan, es sei denn, jemand hat eine bestimmte Absicht in Bezug auf Heilung oder Selbsterfahrung. Die Massage dient der Entspannung und trägt enorm zum Wohlbefinden bei. Das Potential für Heilung ist allerdings erheblich.

Ganzheitlichkeit

Wir sehen den ganzen Menschen auf den Ebenen von Körper, Geist und Seele. Grundlage unserer Arbeit ist das Ganzheitliche Massagekonzept nach Leder/von Kalckreuth. Praktisch bedeutet das, dass keine Massage wie die andere ist. Manch einer braucht mehr Distanz – ein anderer viel Körperkontakt. Manch einer braucht ein ausführliches Gespräch, ein anderer Schweigen. Jemand möchte bestimmen was passiert, ein anderer sich völlig hingeben. Ein Gast möchte nur gestreichelt werden, ein anderer braucht eine feste, tiefgehende Massage.

Sexualität als Bestandteil der Massage

Sexualität ist ein Grundbedürfnis. Wir sind von Natur aus sexuelle Wesen und durch einen sexuellen Akt entstanden. Wie alles in der Natur ist auch Sexualität auf Vielfalt angelegt – Exkursionen ins Tierreich, zu anderen Völkern oder in andere Epochen zeigen uns die unterschiedlichsten Konzepte, ein sexuelles Wesen zu sein. Die allermeisten Menschen wünschen sich eine würdevolle Sexualität, die sie ehrlich bleiben lässt, für die sie sich nicht schämen müssen und die ihre Bedürfnisse erfüllt, ohne andere damit zu verletzen. Eine sinnliche Massage kommt dem sehr nahe. Wir berühren auf allen Ebenen und beziehen den Intimbereich als natürlichen Bestandteil des Körpers mit ein. Zugleich wissen wir um die Besonderheit dieser Berührungen und tragen den komplexen Vorgängen Rechnung, die dabei zutage treten. In langen Menschheitsepochen kam der Kultivierung der sexuellen Energie eine große Bedeutung zu als Mittel der Transformation und Energiegewinnung.

Die Persönlichkeit der Praktizierenden und unser Beziehungsangebot

Entsprechend wichtig ist die Persönlichkeit des Praktizierenden, ihr bzw. sein Empathievermögen, die Fähigkeit zur Akzeptanz des Gastes und zur Selbstreflexion sowie der Grad der Authentizität. Die Praxis des Berufes erfordert, dass wir uns mit all unserer Lebendigkeit, Freude und mit einem hohen Maß an Offenheit einbringen. Umso mehr müssen wir uns unserer Grenzen bewusst sein, sie kennen, praktisch erfahren haben und damit konsequent, aber spielerisch umgehen. Das erfordert ebenso ein hohes Maß an kommunikativen Fähigkeiten.

Welche Fähigkeiten braucht es außerdem?

Die bzw. der Parktizierende braucht Wissen um energetische Abläufe, das in verschiedenen Systemen gelehrt wird, z.B. im Yin-Yang-Modell, im Qui Gong oder in verschiedenen Yogaschulen. Durch Selbsterfahrung wird die Intuition geschult und die Fähigkeit zur Imagination. Natürlich braucht es sowohl gute Massagetechniken wie Kneten, Klopfen, Streichen, Reiben oder Schütteln als auch Wissen über Abläufe und Strukturen. Immer wieder geht es um die Verbindung von Sex und Herz innerhalb eines Menschen, sowohl auf geistiger als auch körperlicher Ebene. Ein/e Sinnes-MasseurIn sollte ihr/sein Tun immer wieder hinterfragen und auf saubere ethische Grundlagen stellen.

Der schönste Beruf der Welt

Weil wir dieses Konzept tatsächlich ernst nehmen, bietet sich hier ein riesiger Erfahrungsraum für unsere Gäste, aber auch für uns. Jede Massage ist ein enormes Lernfeld und eine großartige Bereicherung. Dieser Beruf stellt hohe Anforderungen. Wir sind ständig dabei, uns zu qualifizieren und zu forschen und stehen erst am Anfang zu entdecken, welch ungeheures Potential diese Arbeit mit sich bringt. Es braucht von uns ein großes Selbstbewusstsein, nicht in die „Schmuddelecke“ gedrängt zu werden und uns selbst immer wieder zu reflektieren. Unser Team ist dafür ein unschätzbare Quelle von Inspiration und Stärkung.